MZ-Ausgabe Roßlau, 27.02.2003

 
Liegestuhl im Musen-Garten
Stimmungsvolle Landschaften des Dessauer Malers Jürgen Kutschmann

VON THOMAS ALTMANN

Rodleben/MZ. Was unterscheidet Freizeitkunst von Profession? Lässt man die Technik außen vor, so scheint der Freizeitmaler eher der Wirklichkeit zu trauen. Deshalb setzt er oft auf Wiedererkennbarkeit, ohne Sehgewohnheiten nachhaltig anzufragen.

Das ist kein Aufbruch in Neuland, kein Graben nach Wahrheit, keine Befragung der Gewohnheit, sondern ein Blick in den Garten, der reichlich mit Poesie gedüngt wird. Kurz: Nach Feierabend wird die Seele nicht zerfleischt. Seinen Liegestuhl im Garten der Muse hat auch Jürgen Kutschmann aufgeschlagen, um das heimatliche Umland in Öl und Pastell im Wechsel der Jahreszeiten mit stimmungsvoller Poesie zu lasieren.

Arbeiten des Dessauer Malers und hauptamtlichen Ingenieurs sind nun im "Heimatstübchen" Rodleben zu sehen. Die "Wannsee-Villa" deutet auf das große Vorbild Max Liebermann, der sich spät auf die Spuren der Freilichtmaler von Barbizon begab. Als Liebermann die Konturen verschwimmen ließ, um Stimmungen aus Licht und Farbe einzufangen, war die Avantgarde längst zu anderen Ufern aufgebrochen.

Doch sein Spiel des Lichts hat es Kutschmann angetan: "Es hebt die Seele." Der Dessauer Maler sucht dieses Licht auf Urlaubsreisen und Spaziergängen. Aber auch die Porträts scheinen vom gleichen Licht erfüllt, das anderswo durch Blattwerk jubelt. Immer wieder werden Himmel und Wolken ins Wasser gezogen. Der Schnee wird blau gespiegelt und verklärt. Und die Oktobersonne bringt Bäume und Sträucher zum Glühen. Das Ölbild "Herbstmorgen im Haideburger Forst", setzt auf ein effektives Wechselspiel von Licht und Schatten. Aus der Ferne betrachtet, durchflutet intensives Morgenlicht den Wald. Tritt man heran, so wird dieses Licht ein eher unvermittelt aufgetragener Farbtupfer.

Gerade hier, im sonnendurchfluteten Herbstwald, scheint der Maler sich wohl zu fühlen. Auf seinen Urlaubsimpressionen, etwa dem "Vorleser aus Marakesh", spielt Kutschmann mit Konturen. Dieses Spiel wird mit Architekturen nur zaghaft betrieben. So können das Weinbergschlösschen oder der Venustempel dem Schwung des reflektieren Blattwerks in einer manchmal vordergründigen Perspektive nicht recht standhalten.

Noch schwieriger wird es beim Blick auf den Johannbau hinter Plattenbauten. Die Poesie des Betons jammert über der Mulde, auch deshalb, weil das Blau des sonst grün-grau dümpelnden Flusses mächtig idealisiert ist.

Dennoch sind Kutschmanns Arbeiten ein Aufatmen in der Natur. Durchschreitet man die Jahreszeiten, so scheint des Malers Passion im Herbst zu liegen, der immer golden jenseits aller Tristesse ist. Auch der Liegestuhl im Garten der Muse wird eben nur aufgestellt, wenn die Sonne scheint. Die gilt es dann zu genießen.

Die Ausstellung im Heimatstübchen Rodleben (Heidestraße 38) ist sonntags (2., 9. und 16. März) jeweils von 14 bis 16 Uhr zu sehen.