08.12.2001

Malender Ingenieur sammelt seine Motive auf der Straße
 
Er malt leidenschaftlich gern, und das seit seinem 14. Lebensjahr. Dennoch entschied er sich für einen technischen Beruf, weil er mit Geschichte nichts am Hut hatte.
Jetzt stellt der Dessauer Autodidakt Jürgen Kutschmann in der kleinen Galerie des Heimatstübchen Rodleben aus.

 
Von Kristina Hengstmann


Den Skizzenblock hat er immer dabei. Ist Jürgen Kutschmann in der Umgebung seiner Heimatstadt Dessau per pedes oder mit dem Rad unterwegs, zückt er irgendwann Bleistift und Block, um eine Impression festzuhalten, die ihn gerade einfängt.
An Inspirationen hat es dem 55-jährigen Maler noch nie gemangelt. Jürgen Kutschmann hatte sich nach dem Abitur an der Burg Giebichenstein beworben, lehnte letztendlich aber die berufliche Ausbildung dankend ab, weil er mit Geschichte nichts am Hut hatte. "Ich hätte die Möglichkeit gehabt, ein Studium zum Kunstlehrer aufzunehmen, das war aber mit Geschichte gekoppelt und die war nicht meine Sache", lacht der Maschinenbauingenieur.
Seither malt er in jeder freien Minute, wenn er nicht gerade Musik macht. Er spielte Bassgitarre bei den "Tangenten". Priorität hatten aber immer die Farben.
"Ich male nicht abstrakt, sondern nur im realistisch-impressionistischen Stil", beschreibt der Familienvater seine Vorliebe. So orientierte er sich zunächst an den alten Meistern wie Rembrandt, Tizian und Rubens, später gewannen die Impressionisten immer mehr Einfluss auf seine Malerei. Jetzt sind seine unmittelbaren Vorbilder Max Liebermann und Claude Monet. Es ist ihm deshalb selbstverständlich, dass beiden Malern ein Ölbild in seiner ersten Personal-Ausstellung in der kleinen Galerie in Rodleben (Landkreis Anhalt-Zerbst) gewidmet ist.
Insgesamt sind hier 53 Porträts und Landschaften zu sehen, die in Pastelltechnik und Öl gemalt sind. Seine ganz besondere Vorliebe gehört den Landschaften und Bauten in und um seine Heimatstadt Dessau. Und natürlich dem nahen Dessau-Wörlitzer Gartenreich mit den klassischen Gebäuden, den unverwechselbaren Landschaften und Gärten.
Diese Motive sind auch in der Ausstellung immer wieder zu finden; Obwohl die Malerei "nur" sein leidenschaftliches Hobby ist, kann sich Jürgen Kutschmann nicht über Auftragsmangel beklagen. Seine Malerei gefällt und ist nicht nur in den Büros seiner Kollegen im Elektromotorenwerk zu finden, sondern auch in zwei Auftrags-Kalendern.
Die Ausstellung ist noch bis zum 16. Dezember in Rodleben zu sehen. Informationen unter (034901) 6 72 22.